Matthias Wiesmann

25.03.2003, 16:57  |
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„Similia similibus curantur“: Herr Worel muss sich an das homöopathische Prinzip erinnert haben, als er in der „Erziehungskunst“ einen „Schuss in den Ofen“ diagnostizierte und ebendaselbst eine Schrotladung hinterherschoss. Diese Ladung war, wie das bei einer Replik schnell einmal der Fall ist, bereits deutlich umfangreicher, als mein erster Schuss in den Ofen. Eine Duplik bräuchte noch mehr Raum. Ich möchte mich keineswegs darum drücken. Wenn ich mich häppchenweise äussere, so ist das aber vielleicht leichter zu verkraften. Vorweg meinerseits eine Diagnose: Insinuitis scheint mir in verschiedensten Beiträgen dieser Diskussion eine grassierende Krankheit zu sein. Insinuitis ist mit dem Wort Insinuation verwandt. Zu den Symptomen gehört, dass Aussagen (nicht nur in der „Erziehungskunst“, sondern auch in diesem Forum) über Personen und Motive gemacht werden, ohne dass der Aussagende die geringsten Kenntnisse dieser Person und dessen Motive hat. Infolge dieser Diagnose beschränke ich mich in einem ersten Häppchen darauf, mich selber vorzustellen. Leser mögen selber urteilen, wie es z.B. um meine Doppelbödigkeit steht: Ich war einmal Wirtschafts- und Sozialwissenschafter, wurde vor 20 Jahren als Unternehmensgründer im Bereich Bio-Grosshandel tätig und wohne in Bern. Dem Bio- und Fair Trade-Bereich bin ich arbeitsmässig noch heute verbunden und bin hier auch immer wieder mit Qualitätsfragen konfrontiert. Daneben ist der Bereich Finanzierung immer wichtiger geworden. Mein Status ist heute selbständiger Berater. Dabei befasse ich mich allerdings nicht mit der Entwicklung von QM-Konzepten noch biete ich in diesem Bereich Beratung an, habe also dementsprechend leider keinen Anteil an den überfliessenden Geldtöpfen der Qualitätssicherer. Das bedeutet auch, dass der Vaterschaftsferndiagnostiker hier im Forum (Puntino Giallo) zur Kenntnis nehmen muss, dass ich „Wege zur Qualität“ oder andere QM-Konzepte nicht zu meinen Babys zählen kann. Ich schlage ihm vor, bei der Diagnose von Vaterschaften sorgfältiger vorzugehen – Gentest oder so. (Nebenbei: im Biobereich bin ich – und wahrscheinlichauch noch ein paar Konsumenten – dankbar, dass es Utilitaristen gibt, die eine ordentliche Dosis Sicherheit schaffen, dass bio drin ist, wo bio draufsteht. Sicherheit für Qualität, Arfst Wagner, das ist nicht einfach nur absurd! - Es sei denn, „bio“ sei keine Qualität.) Auch Worel „weiss“ einiges über mich. In seinem Buch zitiert er S. 49 Steiner: „Für denjenigen Menschen, der sozial wirkt, kommen zwei Dinge in Betracht: Liebevolle Hingabe an die eigenen Handlungen und verständnisvollen Eingehen auf die Handlungen des anderen“ ..... und schreibt über mich: „ ... ein Ökonom gewordener Pauker ... hat seine Rezension ... den Zeitschriften 'Gegenwart' und 'Erziehungskunst' angedreht, ohne Hinweis auf diese Doppelbödigkeit“. Herrn Worels liebevolle Hingabe hat hier wohl einen Moment lang ausgesetzt. Er ist sehr unvorsichtig, wenn er mein Handeln so beschreibt und bewertet, wie wenn er informiert wäre. Von „verständnisvollem Eingehen“ kann kaum die Rede sein. Hier produziert er – wie auch in seinem Buch zu Hauf – Konnotationen (oder eben Insinuationen): „Andrehen“, „Doppelbödigkeit“ suggerieren eine Haltung des Hereinlegens. Vielleicht ist Herr Worel trotzdem bereit zur Kenntnis zu nehmen: Nicht zum ersten Mal habe ich für die „Gegenwart“ auf Anfrage eine Rezension geschrieben. „Erziehungskunst“ hat davon Wind bekommen und zeigte sich interessiert. (Angedreht habe ich also niemandem etwas. Doppelbödigkeit entfällt.) Ich habe mit der Redaktion Erziehungskunst eine zweite Fassung verabredet und auch verfasst, die zusätzlich auf Kapitel 5. und 6. von Worels Buch kurz eingeht. Diese zweite Fassung erreichte die Redaktion infolge Mailbox-Wechsels erst nach Redaktionsschluss. Fragen Sie ruhig bei den Redaktionen nach, ob diese Version stimmt.
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puntino giallo
28.03.2003, 15:17
@ Matthias Wiesmann  |
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Lieber Herr Wiesmann
Vielen Dank für ihre Kurzlektion in Latein! Ihre Korrektur bezüglich des "Babys" nehme ich gerne an. Mir geht es nicht darum, Menschen in Töpfe zu werfen. Ich will auf einige gravierende, ärgerliche und letzlich geist- und seelenvernichtende Misstände der Qualitätsdoktrin auferksam machen. Dass man sich dabei ärgern kann und einem die Galle in die Feder fliesst, scheinen Sie - wie ich dem Duktus ihrer Beiträge entnehme - ja auch zu kennen. Ich enthebe mich gerne der Polemik, möchte Sie aber bitten, die Ihrige beizubehalten. Die unipolare WzQ-Welt braucht dringend Antagonisten und bewusste –auch emotionale - Auseinandersetzung. Die Einrichtungen haben da ein Produkt eingekauft, welches ihnen flächendedeckend einen Maulkorb zu applizieren scheint. Betrachten sie uns als selbsternannte Auditoren des Systems. Wir wollen die Menschen zum Hinterfragen bringen; zur Reflexion über ein System, welches explizit genau jenes von den Einrichtungen fordert.
So würde ich Ihnen denn gerne empfehlen, Worels Intentionen und seine diagnostischen Streiflichter ihrer polemischen Verpackung zu entblössen und sie ernsthafter und tiefergehender zu untersuchen als sie das in Ihrer kurzen Rezension zu zeigen vermochten. Ich habe WzQ geprüft und „nutzerseitig in meiner Einrichtung implementiert“. Eine Möglichkeit, die Geschichte im Vorfeld zu studieren gab es nicht, weil sich die Sache in Konkurrenz zu den anderen QM und unter dem Druck einer statlichen Forderung erst entwickelte. Irgend wann mal wurde informiert, dass man diesen Impuls nun unterstützen müsse und eine Loyalitätserklärung zu unterzeichnen habe. Man hat die Katze im Sack gekauft. Ein Sachzwangbedingter Vorgang, der eigentlich jedem aufmerksamen Beobachter bereits das Blut in den Adern gefrieren lässt! Effizienter und totalitärer kann eine Kundenbindung kaum gestaltet werden. Die Industrieleute, die dem BSV diesen Zertifizierungswahn aufgeschwatzt haben, erzielten Ihren Erfolg nur durch die üblichen, verlogenen Versprechungen einer controllinginduzierten Effizienzsteigerung und Kostensenkung in der „Sektion Heime und Werkstätten“. Dem BSV dürfte langsam klar werden, dass damit weder Kosten gesenkt, noch Qualität gesteigert wird. WzQ nahm seinen Lauf und steht heute nach seiner flächendeckenden Installation an einem Punkt, wo ihm ein Stimmengewirr mit tausend Facetten an fundamentalem Unbehagen entegegentönt. Zur Zeit noch niedergebügelt mucken die Menschen in den Einrichtungen auf und erproben langsam aber sicher den Aufstand gegen die totalitäre Ideokratie der Flachmänner.
Puntino Giallo (Name der Redaktion bekannt)
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puntino giallo
28.03.2003, 15:30
@ Matthias Wiesmann  |
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Lieber Herr Wiesmann (Teil 2)
Fragen Sie sich doch einmal ernsthaft und tief:
Irgend etwas muss ja in diesen Menschen vorgehen, die noch immer nicht um die "Achse des Guten" rotieren. Warum widersetzten sie sich "dem Guten" und schreiben Bücher oder unterhalten Internetforen? Was verbirgt sich denn unter der Spitze dieses bescheidenen Eisberges an Kritik? Sind es wirklich nur die mental unterentwickelten Entwicklungsverweigerer, welche die Doppelplusgutideologie nicht zu verstehen vermögen?
Diese Frage sollte man sich sich als (Ex) Soziologe vielleicht einmal stellen. Ich beobachte persönlich tagtäglich das legalisierte Mobbing, welches von dieser pseudohumanen Ideologie ausgeht und wäre längst arbeitslos, wenn ich meine Meinung darüber öffentlich kundtun würde. Es wird systematisch alle bestehende, echte Kultur durch Pseudokulturen wie Feed back, co-creative Prozessreflexion und andere seelenvernichtende Machinationen ersetzt, die im Grunde einem Schalt- und Regelkreisdenken enstspringen. (Kybernetisches Denkmuster) Während früher unsere Institutionen in stetem Bemühen standen, eine meditative, musische und religiöse Kultur zu pflegen, wird heute mit legalisiertem Kritizismus und Beurteilung methodische Seelenverhärtung und somit somit Raubbau an den geistigen Organen der Menschen getrieben.
WzQ scheint zu beweisen, dass nicht überall Spiritualität drin ist, wo Spiritualität draufsteht!
Im Sinne einer Sicherung der spirituellen Qualität - und alles zwischenmenschliche ist im Wesen spirituell - kann QM realiter nur destruktiv sein. Egal wieviel pseudospirituelle Begriffe man in so ein Paket packt, deren Inversion ist den Systemen inhärent und zeigt sich als beänsgtigende, destruktive und herrschsüchtige Abstraktion in der Lebenswirklichkeit.
Ihr Beispiel mit der Qualitätssicherung bei den Bio-Produkten ist stimmig, weil es sich eben um ein Produkt handelt. Wir haben nichts gegen QS bei P r o d u k t e n. Die QS-Idee wird da destruktiv, wo sie zwischenmenschliche Vorgänge zum Produkt erklärt. Allein schon Begriffe wie Beziehungsdienstleistung oder Sozialbilanz zeigen deutlich, welche ökonomischen Interpolationen da stattfinden.
Bezüglich WzQ stellt sich deshalb die Frage: warum steht Qualität drauf, wenn Bürokratie, und Formalisierung drinsteckt? (Aber bitte; ich habe nichts von Doppelbödigkeit gesagt) Die Vorbereitungspapiere zum Audit stellen das Betriebshandbuch zu oberst auf die Liste der qualitätsrelevanten Prüfungsobjekte. Glauben sie denn wirklich, die Qualität im Zwischenmenschlichen spiele sich zwischen den Deckeln eines Betriebshandbuches ab? Warum versteht sich diese Ideologie so sakrosankt als „Achse des Guten“ und tritt dabei mit totalitärem Herrschaftsanspruch auf ? Wie kann man allen Ernstes glauben, „das Gute“ sei mittels Handbuch zu implemenieren?
Wie soll ich einem Mitarbeiter erklären, dass die Qualitätseminare obligatorisch sind, sein Pflegekurs aber wegen fehlender Mittel gestrichen wurde? Wie erkläre ich ihm, dass die Einrichtung ihre Stellenpläne kürzen muss, aber immer mehr Geld für Beratung, QS-Schulung und Administration ausgibt? Vor allem aber: wie erkläre ich ihm, dass immer mehr Qualität gepredigt wird, er aber immer weniger Zeit für seine Schützlinge hat? Wie bringe ich ihn zu einem offenen Kontakt mit seinen Anvertrauten, wenn er nur noch mit einer Ladung im Bauch nach dem letzten Qualifikationsgespräch herumläuft? Mit welcher Begründung kündige ich den genialen ungarischen Dichter, der sich nicht mit dem (selbstverpflichtenden) WzQ-Passus im Leitbild einverstanden erklärt? Wie erkläre ich ihm, dass sein Selbstdenken heute nicht mehr gefragt ist?
Oder anders gefragt: Erklären Sie mit bitte, wie ich die Zufriedenheit eines Menschen dokumentieren soll, der mit Verzweiflung und autoagressiven Attacken auf die imlementierte Verkopfung seiner Betreuer reagiert? Wie sollen Diese zu feinfühlig-wahrnehmenden Menschen werden, wenn man sie zu permanentem Beurteilen zwingt und sie „kritikfähig“ machen will? Wie erkläre ich ihnen, dass sie sich zwar permanent kritiseren lassen müssen, die WzQ-Protagonisten aber in unzensierter Herrschaftspose eine immer mehr invertierende „Doppelplusgutwelt“ vorrechnen, die man nicht einmal hinterfragen darf?
QM, wie ich es in vielen Einrichtungen erlebe, ist so ziemlich das Destruktivste und Verlogenste, was mir in meiner ganzen Karriere über den Weg gelaufen ist! Wenn es nicht ernst genommen wird, fristet es ein Dasein zwischen anderen Ordnern und Büchern und wird nur vor dem Audit als Maske über die Gesichter gezogen. Wenn es aber ernst genommen wird, teilweise sogar als ultimative Heilslehre gefeiert wird, dann entwickelt sich daraus eine moralinsaure, totalitäre Ideokratie von höchst destruktiver Effizienz. Die Soziokybernetiker jonglieren wie dressierte Zirkuspferde mit ihren „Instrumenten“ und begraben hunderte bis tausende von Seelenleichen unter ihrem Feldzug der Flachmänner. Das Zeug muss schleunigst aus den Einrichtungen gefegt werden, wenn man in 5 Jahren noch von Qualität reden will!
Ich weiss, dass man WzQ nicht die ganze Destruktivität anlasten kann; es hat aber sein rosa Mäntelchen einer Geistesart zur Verfügung gestellt, die es ganz und gar auf die finale Zerstörung der spirituellen Grundlagen unserer Bewegung abgesehen hat.
Puntino Giallo (Name der Redaktion bekannt)
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Matthias Wiesmann

29.03.2003, 15:59
@ puntino giallo  |
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Liebe Frau G. von Punt
nach Kontakt mit Herrn Worel und Ihnen, bin ich zuversichtlich, dass die Diskussion allmählich auf den Punt kommt. Ich weiss, das tönt etwas überheblich. Denn Sie werden zweifellos davon ausgehen, dass Sie sie längst auf den Punkt gebracht haben. Ich begrüsse folgende zwei Ansätze einer Differenzierung, wie Sie sie in Ihrem Forumsbeitrag machen:
1.Sie empfehlen, Intentionen ihrer polemischen Verpackung zu entblössen und sie ernsthafter und tiefgehender zu untersuchen.
2.Sie beurteilen Qualitätsmanagement unterschiedlich je nach Anwendungsgebiet. (Produkte oder Zwischenmenschliches. Ich plädierte in meiner Rezension ja ebenfalls dafür: „Interessant wäre hingegen eine Beschreibung, die zeigt, was passiert, wenn Effizienzziele unbesehen auf Landwirtschaft, Sozial- und Gesundheitswesen und Kultur übertragen werden.“)
Die Untersuchung der Intentionen empfehlen Sie allerdings nur in Bezug auf Worel. Warum denn eigentlich? Sind Sie sich Ihres Urteils bezüglich Intentionen z.B. der in WzQ engagierten Menschen so sicher?
Ein zentraler Aspekt des Sozialen ist Kommunikation, Verstehen, Verständigung. Eine qualitativ gute Kommunikation hat einigen Minimalanforderungen zu genügen, z.B. Klarheit und Eindeutigkeit des Gegenstands, der allenfalls zu beschreiben ist, wenn er oder seine Eigenschaften nicht als bekannt vorausgesetzt werden können; sorgfältige Urteilsbildung, d.h. Urteilen erst, wenn der Sachverhalt ausgeleuchtet ist („Bildgestaltung“); prekär wird die Diskussion dort, wo man mithilfe der typischen Wendung anthroposophischer Redner „im Grunde genommen“, „eigentlich“ Pauschalurteile fällt und über die Pflicht genauer Beschreibung flott hinweghopst; schliesslich: allergrösste Zurückhaltung ist zu üben in Bezug auf die Beurteilung von Intentionen anderer Menschen. Wirkungen kann man beschreiben und beurteilen; das Beurteilen von Intentionen ist meistens ein Akt moralischer Übertretung – dies gilt sogar gegenüber einem George W. Bush.
Der Rückblick auf die Diskussion zeigt mir massivste Zuwiderhandlungen gegen diese zentralen Aspekte, die eine qualitativ gute Diskussion ausmachen. Das ist im Buch von Worel so und ist in Ihren Beiträgen so. (Zuwiderhandlungen meinerseits schliesse ich nicht einfach aus.) Sie schreiben z.B. übergangslos über WzQ als Katze im Sack, totalitäre Kundenbindung, Industrieleute, welche dem BSV den Zertifizierungswahn aufgeschwatzt haben und enden wieder bei WzQ, dass so seinen Lauf genommen habe. So vermischend zu schreiben und zu kritisieren ist sicher kein Weg zur Qualität.
Mein allererster Gegenstand der Kritik ist die Art der Kritik. Da ich – wie ich oben dargestellt habe – nicht in WzQ involviert bin, weder „aktiv“ noch „passiv“, bin ich nicht dazu berufen, darüber zu urteilen. (Hingegen würde ich mich mit vollster Überzeugung vor U. Herrmannstorfer stellen, wenn irgendein Zweifel an seinen Intentionen geäussert würde. Ich kenne ihn aus anderen Zusammenhängen als WzQ seit über 20 Jahren.) Ihre meist polemisch formulierten Andeutungen der Wirkungen von WzQ auf Sie selber und Ihr Umfeld, ist eine Realität, mindestens die Realität Ihrer Wahrnehmung. Wenn Idee des Konzepts und Erfahrung der Umsetzung nicht nur bei Ihnen, sondern, wie sie andeuten, bei vielen andern derart auseinanderklaffen, so bedürfte dies selbstverständlich einer Auseinandersetzung.
Nicht korrekt ist allerdings, wenn Sie Ursache und Wirkung auf den Kopf stellen und so tun, wie wenn WzQ die Ursache der Einführung von Qualitätskonzepten wäre. Korrekt ist: Zuerst war die Forderung des Staates. WzQ ist eine Antwort. Sinnvoll wäre dementsprechend angesichts der staatlich gegebenen Rahmenbedingungen nicht die Kritik an einem Konzept sondern der Vergleich von zwei oder mehreren Konzepten.
Irreführend ist auch jede Idealisierung „früherer Zeiten“. Es mag sein, dass sich viele MitarbeiterInnen früher wohler gefühlt haben bei 60-Stunden-Wochen und mehr oder weniger gütig paternalistischer Führung. Die Lehrerkonferenzen an Steinerschulen, die bei Worel als Qualitätsinstrument fungieren, haben die Dynamik „führerloser“ Gremien sichtbar gemacht. Meist waren sie nur auf dem Papier führerlos. Von solchen Konferenzen gibt es genauso frustrierte Berichte, wie der Ihrige. Wo Führung wegfällt, wird Auseinandersetzung zwangsläufig notwendig. Sozialkultur im Bewusstseinsseelenzeitalter gibts nicht umsonst. Sie ist nirgends ein Spaziergang, bei Anthroposophen vielleicht am wenigsten, denen der Konfliktberater Glasl verminderte Konfliktfähigkeit bescheinigt.
Zum Schluss bitte ich für folgendes um Verständnis: Zur Webmasterfrage betreffend Anonymität habe ich bereits Stellung bezogen. Für mich hat Diskussionsteilnahme in einem öffentlichen Forum die Identifikation der Votanten zur Voraussetzung. Wenn Ihnen dies öffentlich nicht möglich ist, so führe ich die Diskussion gern bilateral weiter. Meine Mailadresse ist bekannt. Vertraulichkeit ist zugesichert.
Matthias Wiesmann
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puntino gallo
26.10.2005, 19:06
@ Matthias Wiesmann  |
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Jahre nach dieser Diskussion habe ich wieder mal ins Forum geschaut und las Ihre Bemerkung über die 60-Stunden Woche vergangener, qualitätsfreier Zeiten. Heute - 26.10.05 - blicke ich auf ein Jahr zurück, in dem die 70-Stunden Woche zur Normalität wurde.
Sitzungen, Qualifkationsgespräche, Auditvorbereitungen- Audits und Auditnachbereitungen, abarbeiten allfälliger Auflagen, Strategien, Werbebroschüren, Risk Management, Controlling, Arbeitssicherheit, Sparmassnahmen, Betriebsadministration, Förderplanung, Klientzufriedenheit, Informationsmanagement, Führungskonzept, Geschäftsreglement und und und und . . .
Ich hab wirklich nur noch eine letzte Frage: War das mal ein heilpädagogischer Impuls?
Puntino Giallo
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