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Arfst Wagner

E-Mail

18.01.2003,
10:54
Qualitätssicherungantworten
Wenn ich auf Eure Page gehe, dann lese ich in etwa die Formulierung (zusammengefaßt): "Wege zur Qualitätssicherung". Sichern kann ich nur etwas, das vorhanden ist, daß besteht. Es stammt aus der Vergangenheit. Wenn ich einen Weg suche, dann suche ich diesen, um zu einem in der Zukunft liegenden Ziel zu gelangen. Wie paßt das zusammen? Wenn ich sage: ich will Qualität sichern, dann sage ich damit, ich habe sie, ich muß sie halt nur "sichern". Qualität kann aber nicht konserviert werden. Sie muß immer wieder entwickelt werden. Ich möchte also dringend vorschlagen, den Begriff "Qualitätssicherung" durch den der "Qualitätsentwicklung" zu ersetzen. Ich nehme an, daß das auch Eurer Arbeit wensentlich besser entsprechen würde. Qualitätssicherung heißt: Du mußt so bleiben, wie Du bist, nur besser werden. Wenn ich nun aber nicht nur "besser" werden möchte, sondern auch "anders", was dann? Wenn ich nun sogar so anders werde, daß niemand versteht, was ich da tue, was dann? Wer "sichert" dann meine Qualität? Beethovens "Neunte" wäre wahrscheinlich dem Qualitätssicherungsverfahren zum Opfer gefallen, mindestens aber seine späten Streichquartette, die ja bis heute noch nicht verstanden werden. Jeder Qualitätssicherer wäre da auch heute noch überfordert. Viele Grüße! Arfst Wagner, Tellingstedt Arfst Wagner

m. wolf

18.01.2003,
21:20

@ Arfst Wagner
Qualitätssicherungantworten
Das ist ja gerade das Traurige. Der Bergriff Qualität wird ja zunehmend nicht mehr als das "so-sein" einer Sache aufgefasst, sondern mit "dem Guten" gleichgesetzt. Anthroposophen waren da schon mal weiter. Den Begriff "Qualitätssicherung" durch "Qualitätsentwicklung" zu ersetzen mag ein Ausweg aus dem Irrglauben,irgendetwas auf dieser Welt sichern zu können,sein; solange jedoch "Qualität" als ein unbedingt positiv besetzter Begriff gehandelt wird, muss eine solche "Qualitätsentwicklung " das "Andere" wohl doch als Störung empfinden.

A.M Worel

10.02.2003,
23:27

@ Arfst Wagner
Qualitätssicherungantworten
Lieber Herr Wagner, ich glaube nicht, daß das eine Frage der Terminologie ist. Im Gegenteil, die wohltönende Schalmei von der "Qualitätsentwicklung" vernebelt mitsamt den bunten Farben, mit der wundersamen Zahlenmystik und anderen schönen Talmi-Begriffen (es gab vor Jahren mal von Herrrn Denger so eine Art anthroposphische Wortmischmaschine im Buchhandel, und manchmal kommt einem auch Orwells "Gutsprech" in den Sinn) die Ahnungslosigkeit der Q-Experten vom Wesen der im jeweiligen Tätigkeitsfeld wirksamen Qualität sowie die banale Tatsache, daß es ums Geschäft geht. Q ist ein durch Vorschriften geschaffener und boomender Markt. Es ist natürlich jedem unbenommen, seine Ware oder Dienstleistung zu verhökern, aber das soll er dann auch ehrlich sagen, und vor allem: Der Kunde muß das Recht haben, die Ware zu prüfen, abzulehnen oder bei Unbrauchbarkeit zurückzugeben. Komischerweise ist hier nie die Rede von Verbraucherschutz oder gar von Gewährleistung, wie das bei jedem Bügeleisen oder Wirtshaus der Fall ist. Vom tauben Beethoven und seinem Krach wollen wir gar nicht reden, denn der ist einfach zu laut... was Folgen für die Hörfähigkeit des Zuhörers haben könnte (Achtung Scahdenersatz!), weshalb man ihn entweder nicht spielt oder auf Normalmaß = CD-Qualität hinunterdimmt.

Arfst Wagner

E-Mail Homepage

Tellingstedt,
22.12.2003,
19:56

@ A.M Worel
Qualitätssicherungantworten
Lieber Herr Worel.
es ist ja nun schon etwas her, seitdem wir hier unsere Beiträge hineingesetzt haben. Und es hat sich einiges getan. "Qualitätssicherung -resp.- -entwicklung" gibt es nur noch da, wo sie gänzlich unmöglich ist, nämlich in den Sozialberufen. Und auch dort hat sie sich durch die Kürzungspolitik ad absurdum geführt. Ich muß z. B. als Waldorflehrer jetzt ca. 25% mehr Studen geben als noch vor 5 Jahren. Seit dem Jahr 1989 gab es eine einzige Gehaltserhöhung von 3%. Wenn ich das alles in Geld umrechne, dann ist das insgesamt eine Lohnkürzung von ca. 60 % (bei einer Preissteigerungsrate von 3 % jährlich vorausgesetzt).
Wer sicher die Qualität derer, die für diese Entwicklung zuständig sind? Und ich soll jetzt auch noch bei der Arbeit mehr Qualität bringen? Qualitäten des Lehrers sind: Offenheit, Interesse an jedem einzelnen Schüler und jeder einzelnen Schülerin, Geduld, Gelassenheit, letztlich sogar Liebe, Konfliktfähigkeit usw.
Der Spagat zwischem Erschwerung der Arbeitsbedingungen durch Kürzungen und Stellenabbau auf der einen und dem, was mit Qualitätssicherung gemeint ist, kann ich nur noch als absurd bezeichnen.
Es wird einem eine Bleikugel ans Bein geschniedet und dann soll man anschließend auch noch schneller laufen... Und wehe, wenn nicht. Dann kommt Mobbing. Wunderbare Aussichten...
Viele Grüße!
Ihr
Arfst Wagner

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