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Michael Thomas

02.12.2001,
22:45
Sozialimpuls: Endstation Betriebswirtschaft?antworten
Es gibt Menschen in den sozialen Institutionen, welche den - von euphorischem Jubel begeleiteten Einzug - der Qualitätssicherung nicht per se gutheissen. Zu oft hat die Geschichte innovative Sozialsysteme und Weltverbesserungs-ansätze gezeigt, die in einer totalitären Herrschaft endeten.
Der Einmarsch der neuen Führungs- und Kontroillideologien geschieht zwar ohne Waffen, nichtdestotrotz scheint sich unter den Geistern eine Art „einsame Resistance" zu formieren.
Besonders die anthroposophisch angehauchten QM-Systeme kommen als „geflügelte Ideen auf Taubenfüssen"; in gewohnter Manier freiheitsliebend, kreativitätsfördernd und hochgradig individualisierend. Das ganze natürlich 12-gegliedert. Wenn dem lieben Gott 12 Repräsentanten im Tierkreis gut waren, dann können sie ja auch als Gestaltungsfelder für ein QM herhalten. Die idee ist zwar originell, die Umsetzung aber gefährlich!

Beispiele aus der Praxis der Umsetzung sollen hier in diesem Forum diskutiert werden können. Auch die Ideen als solche. Hier müsst ihr nicht Umsetzen, was das Handbuch vorgibt, hier dürft ihr Pro und contra diskutieren. Wir wissen schon, dass Pro und Contra nicht unbedingt im Sinne der Chefideologen sind. Trotzdem: es ist ein starker Druck in den Menschen entstanden, die sich in dieser Ideologie nicht wiederfinden können. Alle Zweifel und Fragen werden durch den Umsetzungsdruck weggepresst. Zur Not hilft ein Umschulungsseminar, die letzten Zweifel an der Doktrin zu zerstreuen.
Während die einen munter und freudig mitmarschieren, stehen einige einsame Denker köpschüttelnd am Rand und fragen: „ schon wieder? Wie oft müssen wir denn noch den Herrn der Herren mit seinen Heerscharen an uns vorbeimarschieren sehen?"

Wie gut die Ideen immer sein mögen, im Denken der Gefolgsleute wird der letzte Rest an Geist herausgedörrt. Bei der Umsetzung schlussendlich sind wir bei Sozialbilanz, Zielbudget, Persönlichkeitsinventar, Umsetzungsgrad, Qualifikations-formular und Förderplan angelangt!

Wir freuen uns auf Eure Beiträge!

MG

Karlheinz Vögele

03.12.2001,
13:14

@ Michael Thomas
Sozialimpuls: Endstation Betriebswirtschaft?antworten
Ich nehme Bezug auf den Beitrag von Michael Thomas (02.12.01)

Ich bin ein Befürworter. Die Erfahrungen aus dem konkreten Leben zeigen, dass die Arbeitsgruppe Qualität die Zeichen der Zeit erkannte und richtig handelte. WzQ ist nicht einfach nur ein weiteres QM. Es ist die Chance, die Qualitäten, die uns in der Heilpädagogik und Sozialtherapie schom immer wichtig waren, bewusst und überprüfbar zu machen und sie weiter zu pflegen. Dies schafft Vertrauen und Akzeptanz nach allen Seiten, nicht zuletzt auch zu den Behörden.
Jahrzentelang wurde in den Institutionen weitgehend reflexionsfrei gewurstelt. Dass die Institutionen sich nun selber auf ihre Zweckmässigkeit überprüfen können und dies auch zurückgespiegelt wird, ist ein grosser Fortschritt.
WzQ setzt Masstäbe bezüglich der Realisation von Eigenverantwortung und Initiative.
Die Begeisterung kommt gerade zu einem Zeitpunkt, wo die alten Ideale ihre Tragekraft verlieren. Pragmatismus und verkrampfte Fortsetzung alter Ideale und Strukturen beherrschten die Landschaft. In dieses beginnende Vakuum schlägt die Forderung nach Qualitätssicherung des Bundesamtes. Die Geister teilten sich: die Einen wollten weiter im alten Stil wursteln, die Anderen nutzten die Gunst der Stunde und wurden produktiv. WzQ ist ein bewusster Neugriff der gesamten Bewegung, damit hebt man die Qualität und das Bewustsein der Einrichtungen auf eine neue Stufe. Nur Diejenigen, die sich weiter in den alten Nischen verstecken wollen, zeigen einen Widerstand gegen diese Qualitätssicherungsmassnahmen. Wer Quervergleiche zu anderen Systemen anstellt, oder solche sogar aus eigener Erfahrung kennt, wird die heilsame Wirkung von WzQ in eminentester Weise zu schätzen wissen.
Dass der Eindruck von marschierenden Truppen entsteht, ist einfach eine ins unverständliche gesteigerte Übersensibilität bezüglich der einziehenden Formkräfte. Die Kräfte des Tierkreises sind unerbittlich; man nennt die majestätische Anordnung dieser Gestirne nicht umsonst Fixsterne. Genauso unerbittlich wird der Geist der Zeit die Menschen einholen, die sich als Entwicklungsverweigerer zeigen.

Karlheinz Georg Vögele

Michael Thomas

05.12.2001,
18:21

@ Karlheinz Vögele
Sozialimpuls: Endstation Betriebswirtschaft?antworten
Die Argumente der Befürworter und Begeisterer sind uns bestens bekannt. Schliesslich sind wir als Systembenutzer an vorderster Front und somit Betroffene.
Dies ist der Grund, weshalb wir der Meinung sind, dass auch andere Argumente und Gesichtspunkte Gehör finden sollten. Es kann doch keiner vorgeben, von den ideologischen Hintergründen der globalen Nivellierung nichts zu wissen! Nichts ist leichter, als im Fahrwasser des globalen Mainstream zu argumentieren. Dieser Geist liegt sozusagen in der Luft. Eine wahre Denkleistung ist nur da zu finden, wo hinter die Kulissen des Geschehens geleuchtet wird. Damit tun sich allerdings die Denker unserer Bewegung schwer. Zeitdruck und öffentliche Sachzwänge pragmatisieren notwendigerweise den Blick. Die Kreation neuer Institutionen und Gesellschaften sind hervorragende Geistfresser. Das immer enger werdende Netzwerk des globalen Benchmarkings verdrängt die grundsätzlichen Gedanken. Alles soll mit dergleichen Latte gemessen werden.
Also freuen wir uns, dass sich Menschen mit Erkennismut an die Arbeit machen, und Gedanken anbringen, die bisher nur im stillen Kämmerlein gedacht und zwischen Freunden ausgetauscht wurden. Der ideologische Druck ist so stark geworden, dass keiner es wagt, öffentlich Kririk anzubringen. Fragen zum Komplex Freiheit beispielsweise, werden in Seminarien geschickt als nicht sachgemäss oder rahmensprengend hingestellt.

Fragen, die, glaubt man dem Postulat der Protagonisten, ein definiertes Anregungsziel der Bestrebungen sind, müssen vernehmbar gemacht werden. Die Mauer des ängstlichen Schweigens muss durchbrochen werden.

Betrachten wir dieses Forum als eine unabhägige Form von Benutzer- und Betroffenheits-resonanz. Hören wir uns an, was Andersdenkende zu berichten haben. Nicht umsonst - so wird penetrant postuliert - kommt der Begriff Audit von hören. Dieses Forum kann zum Anstoss eines grossen Auditings werden: Das Auditing einer globalen Nivellierungs- und Herrschaftsbewegung, von der WzQ nur ein kleines - zugegebenermassen originelles - Bausteinchen ist.

Mahnende Stimmen in den Einrichtungen haben ein schweres Leben. Die Zeichen der Zeit stehen gegen sie. Wenn eine ganze Bewegung unter den Fahnen einer kollektiven Ideologie marschiert, dann muss man notwendigerweise mit dem „Aufstand der Individuen„ rechnen. Diese stehen natürlich auf der Seite der Bösewichte, weil sie „gegen„ und nicht „für„ etwas einstehen. Diese Sicht – und Darstellungsweise ist irreführend. Wo immer etwas Raum für sich beansprucht, verdrängt es ein Anderes. Auf dieses Andere zu hören, wird eine der grossen Herausforderungen des Systems werden. Obzwar das System überprüft, wie die Einrichtungen mit der Benutzerresonanz umgehen, hat es bis jetzt kein Interesse an einer fundierten Resonanz seiner eigenen Benutzer gezeigt. Die WzQ-Rechenschaftsver-anstaltungen fordern eine Zustimmung ein, die unseren Einschätzungen zufolge nicht gegeben ist. (Man darf ja nicht „dagegen„ sein!?)

Zwischen der Hoheit des Utilitarismus und der Würde des Individuums spielt sich offensichtlich ein Kampfgeschehen ab. Dieses Kampfgeschehen müssen wir akzeptieren. Denn auch wir sind der Überzeugung, für etwas einzutreten, nämlich: „Dem Menschen gerecht werden„. Ihm so gerecht werden, wie er das selber will. Abseits von Qualitätskontrollen, Überwachung, Nivellierung und organisierter Entwicklung.
Dass global organisierte Verdummung heilig gesprochen und als Norm installiert wird, darf nicht länger totgeschwiegen werden.

Hans Bierbaum

E-Mail

17.03.2002,
08:45

@ Michael Thomas
Sozialimpuls: Endstation Betriebswirtschaft?antworten
Danke für die Aufrichtigkeit. Das Schema in anthroposophischen Institutionen entspricht dem, was wir als Zeitgeist allgemein wahrnehmen: Gott ist tot (Ihr könnt Gott ersetzten durch: Geist, transzendental verankerte gemeinsame, einigende Überzeugung). An seine Stelle tritt die "Messbarkeit". Was dabei gemessen wird, ob das Messen irgendeinen Sinn macht, das ist ohne Bedeutung. Hauptsächlich der Akt des Messen leistet, was zuvor der einende Glaube leistete: Gemeinschaften zusammenzuhalten. Geist macht dem Metermass Platz.

fair

E-Mail

19.03.2002,
10:42

@ Hans Bierbaum
Sozialimpuls: Endstation Betriebswirtschaft?antworten
Ich sehe das ganz ähnlich wie im Beitrag von Herr Karlheinz Vögele dargelegt.

Hingegen ist der Zeitgeist, dem die Herren Thomas und Bierbaum in ihren Beiträgen das Mass geben, m.E. wohl eher Ausdruck der Attitüde derjenigen Kreise im anthroposophischen Umfeld, die sich der gesellschaftlichen Entwicklung zu verweigern und entziehen suchen.

Mit WzQ kann eine Gemeinschaft klare Abmachungen (Gespräche) treffen, diese schriftlich festhalten (Verbindlichkeit) und nach Bedarf anpassen (Entwicklungsfähigkeit). Erst durch dieses ins Bewusstsein führen können Fragen von heutigen Menschen beantwortet werden.

Es ist einsichtig dass solche Verbindlichkeit auf manche abschreckend wirken kann. Ob deren Beweggründe aber immer ehrbar sind?

Es mag auch sein dass manche sich gegenüber der gesellschaftlichen Entwicklung machtlos fühlen und sich ihr deshalb verweigern und entziehen. Es ist m.E. jedoch bedenklich wenn dabei ehrbare Beweggründe, wie z.B. die Würde des Individuums, rücksichtslos zu diesem Zweck ausgebeutet oder Utilitarismus bemüht und dieser (absichtlich oder nicht) mit der in der Natur in mannigfaltiger Weise vorgelebten Ökonomie verwechselt wird.

Die Beiträge von Bierbaum und Thomas wirken auf mich deshalb larmoyant und süffisant!

m. wolf

20.03.2002,
21:38

@ fair
Sozialimpuls: Endstation Betriebswirtschaft?antworten
Entschuldigung!
Aber m.E. tragen die Herren Thomas und Bierbaum ihren Teil zur gesellschaftlichen Entwicklung bei. Versuchten sie sich dieser Entwicklung zu entziehen, würden sie sich sicher nicht die Mühe machen, ihre Bedenken zu formulieren, um sie in diesem Forum zur Diskussion zu stellen.

fair

E-Mail

20.03.2002,
22:44

@ m. wolf
Sozialimpuls: Endstation Betriebswirtschaft?antworten
Antwort auf Ihr Posting vom 20.3.

Herr Wolf

wer im Zusammenhang von "Wege zur Qualität" von Utilitarismus, Kampfgeschehen, Überwachung, Nivellierung und der geistlosen Messbarkeit schreibt der will keine Debatte. Der übt sich in unsachlicher Kritik.

Larmoyante, süffisante Polemik eben!

Andernfalls würden sich doch diese Herren bequemen ihre Sicht der Dinge mit konkreten Beispielen aus der Praxis darzulegen.

MvG, fair

Helga Gusmitzky

21.03.2002,
22:04

@ fair
Sozialimpuls: Endstation Betriebswirtschaft?antworten
Typisch Männer!
Warum sind denn hier in diesem Forum alle so verbissen? Dass einem je nach Typ diese Qualitäterei allmählich auf n Keks geht, kann man doch niemandem übelnehmen.
Ich habe Kollegen, die schon einige Nächte hinter der Röhre verbrachten, um die sache mit dem Betriebshandbuch zu Faden zu schlagen. Das geht natürlich an die Nerven.
Unsereiner werkelt auch schon seit drei Jahren an der Sache herum. Der letzte Rundbrief der Vefahrensgruppe mit den Fragen für das Audit hat mir auch ein flaues gefühl im Magen hinterlassen. Trotzdem finde ich den Ansatz mit den 12 Gestaltungsfeldern echt gut, wenn ich auch noch so einige Fragen dazu habe.
Die radikale Ablehnung des Herrn Thomas kann ich allerdings auch nicht teilen. Ich denke aber, dass man mit scharfen und verständnislosen Gegenargumenten in der Diskussion auch nicht weiterkommt. Das mit den Formkräften, wie Herr Vögele erwähnt, ist wirklich nicht Jedermanns Sache. Um Unerbittlichkeit kanns ja nun wirklich nicht gehen. Das ist Alttestamentarisch und kriegslüstern. Wenn ich Herrn Thomas richtig verstehe, möchte er sich einfach mal Gehör verschaffen. Vielleicht sind da wirklich Verletzungen geschehen. WzQ ist so umfassend und bietet so viele Aufenthaltsräume für alle möglichen Geistesrichtungen, dass ich mir vorstellen kann, dass Herr Thomas schon seine Gründe für seinen Zorn hat.
Ich finde jedenfalls das Anliegen des Forums berechtigt. Mit einem Zusatz: Verbeisst euch nicht so in Eure Positionen und bringt auch ein bisschen Humor mit!

Helga Gusmitzky

Bernhard Sikyr

E-Mail

01.07.2002,
14:21

@ Helga Gusmitzky
Sozialimpuls: Endstation Betriebswirtschaft?antworten
Liebe Helga Gusmitzky

Dem Wunsch nach mehr Humor schliesse ich mich an. Und ich finde gut, dass ein paar helle Köpfe etwas Gescheites aus dem Thema Qualität machten, das wir uns gar nicht gesucht hatten.
Und ich finde das Ergebnis WzQ gut.
Zu Qualität und Zeitknappheit frage ich mich, ob wir uns nicht so etwas Ähnliches wie die Slowfood-Bewegung als Antwort auf Fastfood (Beinahe-Essen) leisten sollten. Mein Grossvater, Dorfbürgermeister, hatte es noch geschafft, jeden Geburts- oder Trauschein in der schönsten Zierschrift auszustellen, von Hand, ohne Computer und fehlerfrei.
Wieviele Beiträge dieses Forums sind fehlerfrei, Einstiegsbild eingeschlossen?

Bernhard Sikyr

webmaster

E-Mail Homepage

01.07.2002,
22:53

@ Bernhard Sikyr
Sozialimpuls: Endstation Betriebswirtschaft?antworten
Lieber Bernhard Sikyr

Vielen Dank für den Hinweis das fehlerhafte Einstiegsbild betreffend. Das Bemühen um fehlerfreies schreiben ist sicher nicht gering zu schätzen.
Ich habe aber für dieses Forum nicht umsonst das Medium Internet gewählt. Das Komunizieren auf diesem Weg liegt meines Empfindens zwischen dem schriftlichen und dem mündlichen Austausch. (nicht ganz so "schwarz auf weiss", aber auch nicht so flüchtig wie das gesprochene Wort). Dieser Umstand sollte dazu beitragen, dass eine Diskussion in gang kommt, und auch Menschen ansprechen, die nicht ohne weiteres einen Leserbrief verfassen würden.
Ich freue mich darüber, dass die bisherigen Beiträge so unterschiedlichen Charakter haben und bin gespannt, was noch alles kommen mag (gut durchdacht,ausformuliert und womöglich fehlerfrei oder auch spontan in in die Tastatur gehackt und abgeschickt.

mfg
webmasterForumQS

Michael Thomas

26.03.2002,
09:52

@ fair
Sozialimpuls: Endstation Betriebswirtschaft?antworten
Beispiele aus der Praxis?

Nun, wie wärs mit der Diagnose:

"Alle predigen Qualität, trotzdem geht sie zurück"?

MfG Michael Thomas

A.M. Worel

09.12.2002,
23:00

@ fair
Sozialimpuls: Endstation Betriebswirtschaft?antworten
So richtig lassen Sie ja die Katze nicht aus dem Sack, aber es wird deutlich: Da gibt es ganz fiese Bösewichte, die WzQ oder wem auch immer das schöne Geschäft versauen wollen.

Das sind nach Ihnen halt jene "Kreise im anthroposophischen Umfeld, die sich der gesellschaftlichen Entwicklung zu verweigern und entziehen suchen", "...ob deren Beweggründe aber immer ehrbar sind?" weil sie "sich gegenüber der gesellschaftlichen Entwicklung machtlos fühlen" und zudem "...dabei ehrbare Beweggründe, wie z.B. die Würde des Individuums, rücksichtslos zu diesem Zweck ausgebeutet oder Utilitarismus bemüht und dieser (absichtlich oder nicht) mit der in der Natur in mannigfaltiger Weise vorgelebten Ökonomie verwechselt wird."
Lieber Herr oder Frau "fair" (heißt das blond? oder ist die Wahl ihres Pseudonyms ein Freudscher Fauxpas?): Die "gesellschaftliche Entwicklung" ist ein breiter, träge-reißender Strom. Darin braucht es allerdings Fische, die etwas entscheidendes können: gegen den Strom Schwimmen (Das wußte nicht nur Mao-Tse Tung). Natürlich können Sie jetzt sagen: siehste: dessen "Kultur"revolution war ein entsetzliches Massaker, und nun ist China erst noch auf die kapitalistische Linie der Globalisierung eingeschwenkt.
Nun, wenn es nach deen Qualitätsfuzzis und ihren Vordenkern geht, wird der ganze Sozialbereich auch globalisiert, profit-orientiert und (weg)rationalisiert. Ein mißgebildetes Kind ist ein Qualitätsmangel des Gynäkologen, er hätte es abtreiben müssen. Wenn endlich alle diese Norm-Qualität liefern, dann gibts keine Behinderten mehr, und Heilpädagogik wird Überflüssig.
Jawohl, Herr oder Frau Fair: Qualitätsmanagement und -Sicherung entspringen der gleichen Pandorabüchse wie Peter Singers Ethik: dem Utilitarismus und dem Positivismus. Diese ideologische Entwicklung geht der gesellschaftlichen voran. Die Quelle sieht man natürlich nicht, wenn man m i t dem Strom treibt. Allerdings: Die Qualität des (Rhein)wassers kann man am besten an den laichenden Lachsen im Hinterrhein ablesen, und die schwimmen bekanntlich gegen den Strom...
Nun, ich bin so ein gegen den Strom schwimmender fieser Bösewicht, den es stört, daß diejenigen, die Qualität hervorbringen (sollen), durch selbsternannte und meinetwegen amtlich lizenzierte Q-Experten davon ab- und angehalten werden, ihre Überschußkräfte und einen erklecklichen Batzen Geld in QM zu investieren.
QM ist ein Wachstumsmarkt, und jeder, der ein Stuck von diesem Kuchen will, soll das klar sagen, seine Ware auf den Tisch legen, daß man sie prüfen kann und nicht was von "anthroposophisch" oder "sozial" oder "ganzheitlich" oder was auch immer säuseln. Es geht um Kohle!

Un bemühen Sie bitte nicht die "in der Natur in mannigfaltiger Weise vorgelebten Ökonomie", wenn Sie davon nix verstehen. Von den Gesetzen (gr"nomoi") des Umkreises (gr "oikos") verstehen Sie und ich und die ganzer Naturwissenschaftler noch herzlich wenig. Was die Natur uns vorlebt, ist eine höchst eindrucksvolle Ressourcenverschwendung - gepaart mit höchster Effizienz: " Der Tod ist ihr Kunstgriff, viel Leben zu haben" beschreibt das Herr Goethe in seiner "Metamorphose der Pflanzen". Die Qualitäten in der Natur mit jenen der menschlichen Tätigkeit im gemeinnützigen Bereich in Zusammenhang zu bringen, läßt auf Unkenntnis oder zumindest ungenaue Beobachtung beider schließen.
Mit freundlichen Grüßen, der gegen den Strom schwimmende Bösewicht A.M.Worel

puntino giallo

26.12.2002,
18:38

@ fair
Zu den Argumenten „fairs“, Teil 1antworten
Die Datenbank des Forums erlaubt pro Beitrag nur 8000 zeichen; dieser beitrag wurde deshalb in zwei teile geteilt

„Die intelligensteste Weise zu verdummen, ist durch ein System“ (Shaftesbury)

Ich eröffne bezugnehmend auf Michael Thomas und „fair“: Die Argumente der Protagonisten sind auch mir bestens bekannt. Ebenso die Argumentationstechnik. Leichtfertig auf "gewisse Kreise" zu verweisen und die Kritiker als Entwicklungsverweigerer abzustempeln ist natürlich leicht. Wie, wenn diese etwas weiter als die Systemiker gedacht haben? Wie, wenn diese aus anderen geistigen Quellen schöpfen und wirklich ehrbare Absichten haben? Wie wenn deren Engel andere Bilder der menschlichen Entwicklung in ihre Seelen gelegt haben? Wie, wenn sie die Humorlosigkeit und moralinsaure Befrachtung ("nicht ehrbar") als kleingeistig erkannt haben? Wie, wenn sie nicht bereit sind, die Reinkarnation der Beichtstühle als Fortschritt anzuerkennen? Wie, wenn sie ihre Ehrbarkeit darin begründet sehen, die Mitteilungen des ihnen zur Vefügung stehenden Erkenntnisvermögens auch auszusprechen?
Ich möchte deshalb den Argumenten Fairs entgegenhalten:
Weder klare Abmachungen, noch schriftliches Festhalten, noch Anpassungen sind die Grundzüge von WzQ.
Klare Abmachungen, schriftliches festhalten und Anpassungen sind Elemente, mit denen jeder Schützenverein seit mehr als hundert Jahren zu Gange ist. Wenn man uns von der Innovation überzeugen will, muss man schon anderes Geschütz auffahren.
Überdies ist die Auffassung, dass "Anpassung" etwas mit Entwicklung zu tun habe, entschieden zu kurzbeinig. Abgesehen davon arbeitet die Natur nicht ökonomisch, sondern künstlerisch. Jedenfalls scheint mir der Überfluss der Natur beispielsweise in ihrem Reproduktionsverfahren in keinster Weise ökonomisch. Diese Auffasung von der Ökonomie der Natur zeigt deutlich die Signatur des ökonomisierenden Verstandes; es wird die Ökonomie auf alles erdenkliche übertragen. So auch bei WzQ. Allerdings ist dies weit schlimmer, denn da wird die Ökonomie in die Geisteswissenschaft hereingerechnet und umgekehrt. Wie gut ihr das bekommt, sieht man am einziehenden Sicherheits- und Kontrolldenken der ganzen Bewegung.

Das stumpfe Ostinato:
Qualität, Qualität, Qualität . . . . .

hat die Ohren offensichtlich taub und die Augen blind gemacht, für das was eigentlich anstünde:
Die Zusammenhänge und Absichten dessen zu schauen, was hinter der "entaristotelisierung" des Qualitätsbegriffes eigentlich steckt. Es wäre müssig, hier anmassende Behauptungen aufzustellen; ich möchte nicht als Verschwörungstheoretiker dastehen. Trotzdem: Qualität scheint auf der Hitliste der ideellen Werte uneingeschränkt den ersten Platz zu belegen. Nicht die Liebe, nicht die Gewaltlosigkeit, nicht die Kunst, nicht die Freiheit - Nein - Qualität.
Kein Bestattungsunternehmen, keine Pferdemetzgerei und keine Kaufhauskette, die nicht auf diesen universellen Wert verweist. Das Wort "Qualität" ist ein unangefochtener Spitzenreiter auf jeder Werbebroschüre. Inzwischen sind auch die Anthroposophen auf diesen Zug aufgesprungen. Damit sie ja nicht den Anschluss an den Zug der Lemminge verleiern?
Welche Werte hat es da eigentlich verdrängt? Bloss weil die Massen dieses globale Ostinato in unendlichen Variationen intonieren, heisst das noch lange nicht, dass dies der einzige Weg gesellschaftlicher Entwicklung ist. Kollektivität und Vermassung sind - dies lehrt uns die Geschichte - Herrschaftsintrumente. Vereinheitlichung, Nivellierung und Kontrolle sind Indikatoren gefährlichr Verluste an individuellen Werten und somit als Attacke gegen das Ich zu werten.
Mit der Qualitätsideologie wird das Produkt - oder ein als Produkt behandeltes Procedere - zum goldenen Kalb. Was in der Pilotenausbildung sicher angebracht ist, gerinnt in sozialen Prozessen zur Groteske; Verfahren werden angewendet, wo buntes Leben purzeln sollte, Kontrolle wird installiert, wo Freiheit herrschen sollte, Verbindlichkeit wird gepredigt, wo Erlösung herrschen sollte, Anpassung wird als Entwicklung gepriesen und Ökonomisierung als Fortschritt betrachtet. Dabei muss man deutlich zwei Aspekte in der Qualitätsbewegung unterscheiden. Die eine ist jenes, was an sinngehaltigen Ideen zum menschlichen Verstande spricht, das Andere ist die Wesenhaftigkeit eines geschaffenen Systems. Jenes hält sich nur zu Beginns seiner Erschaffung an den Sinngehalt der Ideen. Später entwickelt es eine hochgradige Eigendynamik.

Wer ökonomisch denkt, projeziert seine Ökonomie natürlich auch auf die Natur. Damit kann man zwar die Welt zu Ende einrichten, die Würde des Geistes und seine Gründe wird man damit keinesfalls ergründen. Man bleibt an der Oberfläche des "Einrichtens". Die Stuben die man sich so einrichtet werden immer sauberer und sauberer und hübscher anzuschauen, das Individuum so transparent, dass man es vor lauter Durchsichtigkeit gar nicht mehr sieht. Dass da einige Frei- und Tiefdenker aufmucken, sollte einem halbwegs auf der Höhe der Zeit stehenden Erkenntnisvermögen eigentlich einleuchten.
Die Gesetze des Naturreiches auf menschliche Verhältnisse zu übertragen, führt letzendlich zu höchst unwürdigen Lebensverhältnissen. So werden weiterhin nur die "angepassten Arten" überleben. Manches zarte Pflänzchen wird so als Entwicklungsverweigerer in die Ecke gestellt und verdorrt. Vieleicht hätte es in seinem Anderssein Ansätze gehabt, die angepassten Arten auf eine neue Evolutionstufe zu heben? Vieleicht hätte man seine scheinbar aberrative Morphologie studieren sollen und hätte gelernt, dass in seiner "Unangepasstheit" die Keime eines neuen Verständnisses liegen?
Vermutlich deshalb werden die sog. Entwicklungsverweigerer lieber rauhes Unkraut als welkende Mauerblümchen, denn Unkraut vergeht bekanntlich nicht!

puntino giallo

puntino giallo

26.12.2002,
18:46

@ fair
Zu den Argumenten „fairs“, Teil 2antworten
- Fortsetzung-
Der Grundzug von WzQ ist eine Verbindlichkeit, die Elemente der Geisteswissenschaft in ganz profane betriebswirtschaftliche Prämissen hereinrechnet. Die Diffusion der Qualitätssicherheitsmentalität in das Geistesleben hinein ist geisttötend und deshalb intolerabel. Ein System für Qualitätssicherheit hat ein reines Praxisinstrument zu sein. Nicht mehr und nicht weniger. Wir haben nichts dagegen, dass der Staat unsere Leistungen kontrolliert. Wir haben nichts dagegen, dass dass man Qualitätssicherheit installieren muss. Wir haben nicht mal was dagegen, wenn man was dagegen hat, dass wir was dagegen haben. Was allerdings intolerabel ist, ist die moralische und pseudospirituelle Befrachtung der ganzen Geschichte und die Tatsache, dass jeder Andersdenkende als Entwicklungsverweigerer gestempelt wird. Dass das System solche Haltungen hervorbringt, die mir auf Schritt und Tritt begegnen, ist nicht zufällig. Unter seinen pseudohumanen Mäntelchen scheint mir ein sehr gefrässiges Tierchen versteckt. Es erzeugt einen subtilen Totalitarismus. Es frisst den Geist der Menschen langsam aber sicher auf. Die Papierflut – z.B. die vielzähligen Unterlagen zur Vorbereitung auf das Audit – zeugen von einem absolut losgelösten Autismus. Die Qualitätssicherer haben sich völlig in den Labyrinthen ihrer Hirnwindungen verirrt. Das hat mit Qualität nichts mehr zu tun; das ist reiner Verbesserungswahn. Verbessern wird zum Zweck menschlicher Existenz.
Diese Erkennis, die meinerseits keinesfalls ein leichtfertiges Urteil ist, sondern das Tageslicht erst unter Qualen erblickte, muss man einfach zur Kenntnis nehmen. Es ist zu hoffen, dass sie Einzug hält, und eine gesundende Grenzziehung zum Geistesleben stattfindet.

Und noch was: Die Predigt von der Verbindlichkeit müsste mal auf ihren ideellen Gehalt reflektiert werden. Sonst könnte es sein, dass wir bald Augen und Ohren vor lauter Verbindlichkeiten verbunden haben. Oder wir finden uns ". . . mit tausend Stricken gefesselt. . . ." in einem selbstgestrickten Kafig wieder.

Die Beweggründe der Herren Bierbaum und Thomas scheinen mir jedenfalls weit ehrbarer als das fromme Nachbeten irgendwie gearteter Qualitätsdoktrinen. Sie stehen scheinbar am Rande des Geschehens und müssen sich Entwicklungsverweigerer schimpfen lassen. Vieleicht stehen sie mit ihrer "problematischen" Haltung weit tiefer im gegenwärtigen Geistesgeschehen drin, als ein durch Qualitätsbrillen getrübter Blick dies zu erahnen vermag?

Den Machern und Mitgestaltern dieses Forums wünsche ich vor allem Mut; Erkenntnismut! Denkt, was es zu denken gibt, fragt, was es zu fragen gibt und sagt, was es zu sagen gibt!
Keiner kann Qualitätssicherheit abschaffen. Das ist auch gar nicht nötig. Es wird sie in 12 Jahren eh nicht mehr geben. Wir sollten aber heute dafür sorgen, dass das Geistesleben frei bleibt. Gesinnungsprüfungen in der Art: "Sie müssen „Es“ (WzQ) aber in Ihrem Herzen (!) haben . . . .", * haben mit Bewusstseinsentwicklung wirklich nichts zu tun. Sie weisen - subtil wie immer, aber charakterlich eindeutig identifizierbar - zurück in die finsteren Vergangenheiten der totalitären Systeme. Mit den Worten eines ehemaligen Basler Theatherdirektors: „ . . . . Es ist die Fortsetzung der DDR mit anderen Mitteln.“
Wer nicht mit dem Mainstream denkt, muss nicht weniger ehrbar sein!
Ehrbarkeit könnte auch heissen, die Bürde des autarken Denkens auf sich zu nehmen. Mit allen Konsequenzen. Prioritär verbindlich in der Verbindung zu jenem Geiste, der einst zu den Menschen sprach: „Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“.

Zum Schluss noch ein Buchtipp für Hern Fair: Reinhard K. Sprenger, Aufstand des Individuums, Campus Verlag.

Puntino giallo

* Beispiel aus der Praxis

puntino giallo

27.12.2002,
11:01

@ fair
Sozialimpuls: Endstation Betriebswirtschaft?antworten
Ich bin ja um den Beitrag fairs ausgesprochen dankbar. Er bringt in seiner törichten Verblendung die
S c h ü t z e n v e r e i n s m e n t a l i t ä t der ganzen Qualitätsbewegung herrlichst zum Ausdruck.
Wenn auch solche Geistesrichtungen als durchaus tragisch für eine auf Rudolf Steiner zurückgehende Bewegung einzustufen sind, kann man sich ein bedauerndes Lächeln nicht ganz verkneifen.

Klar – liebe Freunde – nun hat man dem K a t h o l i k e n im Anthroposophen seinen Katechismus und seine Beichtstühle zurückgebracht, dem D D R -B ü r g e r im Anthroposophen seinen allgrundgütigen Kontrollstaat (bei der er sogar selber mitkontrollieren und denunzieren darf), dem K a n t i a n e r im Anthroposophen seine heilige Pflicht und den Sternenhimmel.
Was wollen wir mehr?

Ach ja natürlich - ich vergass –

dem F r e i h e i t s p h i l o s o p h e n im Anthroposohen seine Freiheit, die man aufgrund ihrer weisheitsvollen Abwesenheit erst richtig zu erkennenn vermochte.

Alles kompakt in ein Handbuch verpackt. Jederzeit Griffbereit!

Qualität war im Anfang – das Handbuch ihr Ende!

Amen

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